Der Lobpreis-Trainer

Amazon.de-LinkDurch eine Anzeige stieß ich auf das nebenstehende Buch von Detlev Reich und wurde neugierig.1 Kann man Lobpreis trainieren? Es wird schnell deutlich, dass es im Buch nicht um den geistlichen oder theologischen Aspekt gehen soll, sondern eher um die praxisnahe Frage der technischen Umsetzung, der Performance – und die kann man durchaus trainieren. Der Autor Detlev Reich absolvierte die zweijährige Theologische Fachschule am Theologischen Seminar Rheinland und arbeitete bei ICF Zürich und Hamburg. Er ist derzeit „als freier Bühnen-, Performance- und Gottesdienst-Trainer“2 tätig.

Der Autor zeigt sich in seinem Buch durchweg als erfahrener Lobpreisleiter bzw. -musiker. Viele seiner Hinweise können als Impulse gut in der eigenen musikalischen Gemeindearbeit ausprobiert werden. Sicher werden nur die wenigsten Leser in ihrer Gemeinde ICF-Verhältnisse vorfinden, aber auch für das kleine Lobpreisteam einer Dorfgemeinde findet sich der eine oder andere beachtenswerte Tipp. Musiktheoretische Abhandlungen finden sich in dem Buch genausowenig wie hochtheologische Begründungen. Das Hauptaugenmerk liegt auf der reflektierten Performance – also der Frage, wie man im Lobpreis auftritt. Das kann sowohl für erfahrene wie auch für unerfahrene Bands hilfreich sein und teilweise auch auf Bereiche übertragen werden, die nicht direkt etwas mit musikalischem Lobpreis zu tun haben.

Reich beginnt sein Buch mit der Frage, was überhaupt Lobpreis sei und beantwortet sie mit Darlene Zschech: „Lobpreis ist eine Reise“. Außerdem scheint ihm wichtig zu sein, dass Lobpreis das ganze Leben betreffe, er spricht von „ganzheitlichem Lobpreis“ – was dann aber nicht mehr zum Titel passt, denn es wird eigentlich nicht der Lobpreis selbst trainiert, sondern viele Teilaspekte des Auftritts einer Lobpreisband. Der beschrittene Grat zwischen einem ganzheitlichen Lobpreisverständnis und einer Liste von Voraussetzungen für richtigen Lobpreis ist dabei relativ schmal und lässt etwas theologische Präzision vermissen. Das durchzieht leider auch in unterschiedlichen Facetten das ganze Buch, das zwar nicht theologisch arbeiten will, aber mit gewissen theologischen Vorentscheidungen arbeiten muss. Hier wäre theologisch eine deutlichere Unterscheidung von Zuspruch und Anspruch Gottes wünschenswert.3 Die vielen Imperative (die auffällig häufig grammatikalisch falsch gebildet sind) tragen nicht unbedingt dazu bei, Lobpreis nicht nur unter der Bedingung von Perfektion zu gestalten. Etwas mehr Lockerheit im Bezug auf die notwendige Qualität der Lobpreisgestaltung würde dem Buch gut tun.

„Der Lobpreis-Trainer“ bietet viele praktische Beispiele, die aber manchmal etwas zu abstrakt bleiben. Die Leserin/der Leser muss an vielen Stellen noch einige Anstrengung unternehmen, um die vielen (guten, aber subjektiven4) Tipps des Autors in die eigene Situation zu übertragen, wenn sie/er nicht gerade in einer Gemeindeband aktiv ist, die als einzige für die Musik zuständig ist (davon geht Reich aber durchgängig aus). In den meisten Fällen gibt es wohl zum Glück viel mehr musikalische Abwechslung in den Gemeinden, als sie dem Autor lieb zu sein scheint.

Ein Letztes: Dass es nicht immer Sinn ergibt, zusammengeschriebene Worte auf mehrere Zeilen aufzuteilen, zeigt der Band „Der Moderationstrainer“ (Amazon.de-Link) aus der gleichen Reihe (Amazon.de-Link): DER / MODE / RATIONS / TRAINER ist hoffentlich keine Anleitung, die Anzahl der Kleidungsstücke auf der Bühne zu rationieren … 😉

Fazit: Ein prall gefüllter Ideenkoffer, durch den man sich da wühlen kann. Weniger ein durchdachtes Gesamtkonzept. Als solcher aber gut zu gebrauchen, um immer wieder einige praktische Anregungen zu bekommen und die eigene „Performance“ zu reflektieren. Ein schönes Praxisbuch zum Nachschlagen.

  1. Das Buch wurde uns freundlicherweise vom Autor für die Rezension zur Verfügung gestellt. []
  2. Reich, Detlev. „Der Lobpreis-Trainer.“ Reich Verlag, 2011. []
  3. Der Fokus liegt vom Duktus her relativ deutlich auf dem, was der Mensch (nicht nur im Lobpreis) tut, nicht auf dem vorgängigen Handeln Gottes. []
  4. Es wird leider vieles im „ich finde“-Stil geraten, weniger plausibel oder gar fundiert begründet []

One thought on “Der Lobpreis-Trainer

  1. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei dem Autor Detlev Reich bedanken. Er hat uns sein Buch „Der Lobpreistrainer“ freundlicherweise als E-Book zur Verfügung gestellt.

    Sebastian war der schnellere Leser, aber auch ich habe das Buch per heute zu 2/3 gelesen und teile bis dato seine Einschätzung. Auch mir fehlt aus theologischer Perspektive eine differenziertere Grundlegung. Dennoch konnte ich einige Tipps und Tricks für meine persönliche Lobpreisleitung herauslesen und werde diese dann ganz praktisch umsetzten.

    Mein Fazit: Als allgemeines Praxisbuch für christliche Bands nützlich. Theologische Grundlegungen zum Thema Lopbreis hole ich mir woanders.

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