Dogmatik I: Die Wirklichkeit Gottes

Nachdem ich bereits zur Pneumatologie „den Joest“ als Pflichtlektüre angelesen hatte, habe ich ihn mir nun noch einmal komplett vorgenommen. Wobei vorwegzuschicken ist, dass man beim Lesen der neuen, fünften Auflage nicht genau weiß, was noch Joest und was schon Lüpke ist.1 Das tut der Qualität dieser Dogmatik aber keinen Abbruch. 

Joest2 bietet mit seiner Dogmatik eine tolle systematisch-theologische Grundlage zum Weiterdenken. Die wichtigsten Themen werden nach einer gründlichen Einführung in die elementaren Fragen der Dogmatik (Womit beschäftigt sich Dogmatik? Und: Wie kann man die Bibel verstehen?) zeitgemäß bedacht. Gegliedert ist das in je ein Kapitel zur Gotteslehre (Vater), Christologie (Sohn), Pneumatologie (Heiliger Geist) und abschließend zur Trinitätslehre (Dreieinigkeit). Mit Joests Dogmatik hat man eine Kiste vollgepackt mit sehr solidem Gedankenmaterial zu der Frage, was es heißt, sich mit der Wirklichkeit Gottes kritisch – das bedeutet: im Beleuchten verschiedener Argumente – auseinanderzusetzen. Und trotz allem rationalen Nachdenken über Gott und seine Wirklichkeit lässt die Dogmatik die Leidenschaft für Gottes Geschichte mit den Menschen nicht vermissen. Sie ist ein Plädoyer, Gott konsequent von seiner Zuwendung (Joest: Gemeinschaftseröffnung) zu Menschen her zu denken. Das ist zwar nichts, was diese Dogmatik einzigartig macht, eher im Gegenteil. Aber es ist ein Gedanke, den es immer neu, immer weiter und immer radikaler zu denken gilt.

Es ist allerdings ein Fachbuch. Von daher könnte es für Nicht-Theologen sprachlich etwas anstrengend werden, auch wenn die Gedankengänge meines Erachtens sehr gut nachvollziehbar dargestellt werden und gut zu verstehen sind. Dazu ist der theologiegeschichtliche Abriss zu jedem Kapitel gut, um einen Überblick darüber zu bekommen, wie die Theologen der letzten Jahrhunderte über bestimmte Dinge gedacht haben.

Fazit: Sehr schöne Einführung in die Grundfragen der Dogmatik.

  1. Als Buchjäger habe ich mir natürlich gleich die Originalausgabe des ersten und zweiten Bandes gekauft. Vielleicht komme ich irgendwann dazu, einen Vergleich anzustellen. []
  2. Wenn ich von Joest schreibe, meine ich auch gleichzeitig den Bearbeiter Johannes von Lüpke. []

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